Welche Geschichte erzählen...?

Welche Geschichte erzählen...?Welche Geschichte soll man erzählen, wenn man immer mehr darüber erfährt wie es den Leuten hier ergeht? Jeder hat seine eigene Geschichte zu erzählen...

Der 21-Jährige Palästinenser aus der jungen Fatah, der während der Intifada sechs Monate im Gefängnis saß, weil er Steine geschmissen hat und dort jeden Tag geschlagen wurde. Er hat seinen Bruder während der Intifada verloren.
Ich habe ihn gestern bei einem Treffen in Jerusalem kennengelernt, bei welchem Palästinenser, Deutsche (Jusos) und Juden (Meretz-Partei) zusammen Dinge unternehmen und diskutieren.

Einer unserer palästinensischen Freunde, dessen Cousin durch den Schuss eines Scharfschützen erschossen wurde - während Freunde der Familie in demselben Haus (wie der Scharfschütze) saßen. Sie berichteten später von dem, dem Schuss vorangegangenen Dialog des Soldaten, der den Schuss abgegeben hat und einem Andren. Der eine Soldat wollte eine Zigarette haben, woraufhin der Andere ihm erst eine geben wollte wenn er jemanden getötet hätte.
Die Kugel traf den Hals am Kehlkopf und trat durch die Wirbelsäule wieder aus.
Die Familie erfuhr von seinem Tod durch das Fernsehen, da es während der Intifada allgemeine, tagelange Ausgangssperren gab.

Der Jude aus der Meretz-Partei, der mir von seinem Wehrdienst berichtete und von der psychischen Belastung die es mit sich bringt auf jeden Palästinenser, der angesprochen wird sein Gewehr zu richten - während beide Seiten wissen, dass sich auch eine Kugel im Lauf befindet.
Er erzählte mir viel über das israelische Bildungssystem, welches den Kindern schon von klein auf Angst macht und dem Militärdienst, den junge Männer und Frauen von ungefähr 18 bis 21 Jahre leisten müssen.
Auch über den im Grunde überwältigenden Friedenswillen der meisten Israelis erzaehlte er mir viel - gekoppelt mit dem absoluten Misstrauen und der Angst.
Zwar sind die Terroranschläge prozentual sehr zurückgegangen, aber (mal davon abgesehen, dass ein gesamtes Volk für die Taten einzelner bestraft wird) auch die israelische Wirtschaft hat unter dem Mauerbau zu leiden, da der Handel mit den Palästinensergebieten auf diese Weise annähernd zum Erliegen kommt.

Dahers Weinberg ist ein Projekt in der "Nähe" Bethlehems - in Richtung Hebron (hier ist eigentlich alles "nah").
Im Grunde handelt es sich nur um das Grundstück einer palästinensischen Familie - eine Familie, die dieses Land seit dem Jahre 1917 besitzt. Das Grundstück dieser Familie ist umgeben von Siedlungen und obwohl es sich mitten im Westjordanland befindet sind dort kaum Palästinenser zu finden, denn aus einer kleinen Siedlung wurden innerhalb weniger Jahre mehrere Große. In den meisten Häusern der Siedlungen leben nicht einmal Menschen - dennoch wird gebaut, denn auf diese Weise wird das Land endgültig annektiert. So wird aus Zone A ganz schnell Zone C. Jede Nacht bleiben diese leerstehenden Häuser erleuchtet, während die Leute in Dahers keine Möglichkeit haben an Strom zu kommen, obwohl zwei Siedlungen nur wenige hundert Meter entfernt liegen. Strom muss vom nächsten palästinensischen Dorf geholt werden.
Seit Jahrzehnten lebt diese Familie nun schon dort und kultiviert das Land, denn nur so haben Sie das Recht das Land zu behalten (vorausgesetzt alle Papiere sind gültig und das Land ist eingetragen) - diese scheinbar einfache Sache hat sich in den letzten Jahren als oftmals sehr schwierig herausgestellt.
Siedler kamen mit Waffen und wollten Sie zur Aufgabe des Landes zwingen. Die Zufahrt zum Gelände wurde von ihnen mit großen Felsblöcken blockiert um die Zufahrt zu erschweren - was einen Umweg von ungefähr einer halben Stunde mit sich bringt. Vor zwei Jahren wurden etwa 160 Olivenbäume einfach abgeschlagen. Es gibt kein fließend Wasser und kein Strom, da dies von den Israelis nicht ermöglicht wird. Immer wieder kommen Siedler, die Waffen tragen dürfen und quasi einen eigenen Rechtsstatus besitzen und drohen der Familie.
Die Familie hat aus ihrem Gelände ein Projekt gemacht - welches Brücken schlagen soll. Es heisst "Tent of Nations" und soll Palästinenser und Internationale zusammenbringen. Nur durch diese Internationalisierung und ihre Überzeugung ist das Gelände noch im Besitz der Familie.
Die meisten Eigentümer haben nicht das Glück derartige Unterstützung zu kriegen und sind den Repressionsmethoden nicht gewachsen - viele wandern ab...
Auf diese Weise verkleinern sich die Palästinensergebiete und Israel wächst.
"A land without people - for people without land"
A land without people?????


Von all den unzähligen Leuten, die seit Jahren nicht weiter als ein paar Städte im Umkreis reisen konnten, da sie keine Permits haben und der Weg in den Norden langsam durch Siedlerstraßen und Siedlungen abgetrennt wird, ganz zu schweigen...

Warum macht niemand was gegen solche Ungerechtigkeiten fragt man sich...
An wen sollen die Palästinenser sich denn wenden? Keiner kann wirklich helfen!


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