Ramadan-Tagebuch

Ramadan-TagebuchMein Ramadantagebuch
Mal schauen wie es den Andren so geht ;-)
Heute beginnt Ramadan - für mich und Anna zumindest
Offiziell hat Ramadan schon am 14. September begonnen und wird einen Monat dauern. Unser ganz persönlicher Fastenmonat beginnt also mit ein wenig Verspätung.

Tag 1
Heute morgen um 4 ging es los. Mit den muslimischen Nachtwächtern Raed und Achmat saßen wir um viertel nach drei in der Küche und begannen mit unserer Tagesration Frühstück. Es gab Pita, Labane, den traditionellen schwarzen Tee mit sehr viel Zucker und dazu eine Mischung aus Tahini, oder so ähnlich (Sesampaste) und einem Traubenpressaft. Mit dem letzten Allah huakba des Muezzin ging auch der letzte Schluck Wasser die Kehle hinunter.

Mittlerweile ist es kurz vor zwei und wir haben diesen Morgen zwar weniger arbeiten müssen als sonst, dennoch habe ich das Gefühl schwächer zu sein als ich es seit langem war.
Der Hunger ist nicht wirklich so drückend, aber alleine das Gefühl. dass man nicht essen darf weckt in mir das Verlangen zu Essen. Meine Arme und Beine fühlen sich schlapp an.
Ich freue mich auf den Sonnenuntergang gegen 6 Uhr
- mit dem Gesang des Muezzin beginnt das Fastenbrechen und es darf wieder bis zum nächsten Morgen um 4 gegessen werden.

Tag 1.2
Tag 1 ist überstanden und mir geht es.... komisch.
Ich fühle mich ein wenig schwach und ziemlich erschöpft, ob das an Ramadan selber liegt oder an der Arbeit ist schwer zu sagen.
Der Ausblick auf einen weiteren Tag oder noch eine Woche erscheint mir momentan nicht sehr erstrebenswert, aber das denken sich all die Millionen von Moslems wohl Tag für Tag und Jahr für Jahr, deswegen heißt es Zähne zusammeneißen und durchhalten - so lange es geht.
Morgen muss ich auch körperlich ein wenig mehr arbeiten - bei meinem Vogelprojekt. Hoffentlich schlägt sich das nicht zu sehr auf meine körperliche Verfassung aus.
Jetzt geht es ins Bett - für 5 Stunden. Ab morgen sollte ich schauen, dass ich früher ins Bett komme - eindeutig.

Montag, 24. September 2007
Tag 1 meiner ganz persönlichen Fastenzeit.


Tag 2
Auch Tag zwei neigt sich dem Ende zu.
Heute morgen verlief die ganze Prozedur schon schwieriger. Ich wusste genau was mich den Tag ueber erwarten wuerde und deswegen war es wohl ein noch komischeres Gefühl. Ich bin dann heute morgen um halb 7 wieder aufgestanden um mich meinem Vogelprojekt zu widmen.
Zum Mittagessen wurde es dann schon ein wenig schwieriger, denn es gab ein durchaus wohlrichendes Mahl. Sarah probierte zwar noch heimlich zu essen um uns den Duft und den bloßen Gedanken an Essen zu ersparen aber zu unserem eigenen Leid haben Anna und ich die Küche doch betreten.
Bei den Hausaufgaben mit den Mädels aus dem Internat musste ich dann fesstellen wie schwierig es sein kann sich zu konzentrieren, wenn man knappe 14 Stunden nichts getrunken noch auf irgendeine andere Weise den kleinsten Tropfen Flüssigkeit zu sich genommen hat.
Mehrmals heute musste ich mir die Frage anhören warum ich mir das denn antun würde - ich sei doch kein Moslem.
Aber ehrlich gesagt ist es ein ganz gutes Gefühl neben einem unserer muslimischen Mädels zu sitzen und genau nachvollziehen zu können warum sie sich nicht konzentrieren kann und sich um 17:38 genauso gierig auf das Essen zu stürzen wie all die Andren die in dieser Zeit fasten.
Oft musste ich mir auch anhören, dass das christliche Fasten um einiges schwerer sei, was ich natürlich weder dementieren noch bestätigen konnte. Ich werde es wohl zu Ostern ausprobieren.
Erschöpfender als diese Art des Fastens kann ich es mir jedoch nicht vorstellen.
Ich bin gespannt wie es mir morgen früh um 3:24 gehen wird, wenn mein Wecker zum dritten Male klingelt.

Dienstag, 25. September 2007
Tag 2 meiner ganz persönlichen Fastenzeit.


Tag 3, Tag 4 und schon ein bisschen von Tag 5
Es ist 04:23 am Freitag, dem 28. September 2007
oder Ramadan 1428
Um 4:09 mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt das Fasten dieses Tages. Mit dem letzten Allah hu Akbar legt sich wieder die Stille über die für uns noch pechschwarze Nacht. Wir sind mittlerweile schon an unserem 5. Tag angekommen und mit jedem Tag vergeht die Lust mehr noch weiter zu fasten.
Am letzen Mittwoch waren wir in Jad Vashem, dem größten Holocaust Gedenkzentrum mit angeschlossenem geschichtlichen Institut und verschiedenen Ausstellungen zu verschiedenen auf das Thema bezogenen Inhalten. Dank dem Ehrenkodex für Volontäre hatten wir die Möglichkeit eine private Tour durch das Gedenkzentrum zu kriegen und nahmen diese natürlich auch gerne in Anspruch. Bezogen auf das Fasten war es ein kleines Erlebnis. Unglaubliche Temperaturen herrschten an diesem Tag und sehr schnell hatten wir es uns als einzige aus der Gruppe rigoros angewöhnt unter Schattenspendenden Bäumen zu verweilen und niemals lange in der Sonne stehen zu bleiben, denn die gesteigerte Erschöpfung war trotz der Morgenstunden stark zu spüren. Nachmittags mussten wir auch noch einige Stunden arbeiten und Abends fuhr ich wieder zu einem Treffen nach Jerusalem. Um 5:39, als das Fastenbrechen (wenn man es so nennt) began befand ich mich im Bus und es war ein gutes Gefühl mit Muslimen die Freude über das Essen und Trinken zu teilen.
Ich bekomme viele Rückmeldungen über das was ich tu (und Anna natürlich auch). Als die Muslime im Bus merkten, dass wir fasten wie sie wurde das sofort sehr freudig aufgefast und man bekommt auch so sofort etwas zu essen angeboten. Auch die Rückmeldungen der Christlichen Palästinenser, welche ja in Talitha die Mehrheit stellen, kommt nicht zu kurz.
"You are fasting? Why?"
Und jeder Christ ist davon überzeugt, dass das christliche Fasten zur Osterzeit, welches hier wohl noch sehr streng genommen wird um einiges schwieriger sei als den Fastenmonat Ramadan zu überstehen.
Die Nacht verbrachte ich in Jerusalem bei meinem wise-Mit-Freiwilligen Jan und dort wurde ich sogar von Trommlern geweckt, die anlässlich Ramadans jeden Morgen um halb 4 durch die Straßen ziehen um die Leute zu wecken. Leider alle Leute - nicht nur fastende Moslems. Zum Leid der andren Bewohner des Hauses.
Auch dieser Tag war dank Ramadan schwieriger als im Vergleich zu regulären Tagen. Ich habe an diesem Tag 10 Stunden gearbeitet und es hat sich vor allem bei den Hausaufgaben mit den Mädels stark bemerkbar gemacht.
Dafür war das anschließende Abendessen mit den muslimischen Mädels wieder einmal sehr befreiend.
Nun werde ich mich irregulär mal wieder meinem Vogelprojekt widmen und sehen was dieser Tag an Erfahrungen mit sich bringen wird.
04:42 Uhr

Diese Qual...
nach 3 Stunden Schlaf, Essen um 4 und fünf Stunden Arbeit in eine Küche zu laufen in der frische Pizza gemacht wird.
13:02 Uhr

Hier vor meinem Computer sitzend mit einem knurrenden Magen und ständigem Blickkontakt mit einer Tafel Schokolade hat mich stark in Versuchung geführt und ich muss zugeben, dass die Schokolade stärker war als ich - sie hat mich mit schlagenden Kakao-Argumenten überzeugt.
So schön bin ich noch nie verführt worden.
Ich denke ich werde der Tafel vergeben, dass sie mir hiermit die Möglichkeit auf all die Jungfrauen versaut hat die vielleicht eines Tages im Himmel auf mich gewartet hätten.
14:14 Uhr

>>Allah hu akbar<<

Freitag, 28. September 2007
Tag 5 meiner ganz persönlichen Fastenzeit.


Ich habe gegessen!!
Samstag war es einfach zu viel, deswegen haben wir es für dieses Wochenende erstmal dabei belassen.
Ich werde die letzten Tage des Fastenmonats noch einmal eine Woche fasten, aber es ist einfach zu viel für mich im Moment.
Meinen Respekt an jeden, der Ramadan strikt einhält.

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