Getting to know another side

Getting to know another sideDurch unsere Arbeit in Talitha sind wir mit Sicherheit sehr von der palästinensischen Seite eingenommen, denn Checkpoint, Soldaten und Mauer sind alle in unmittelbarer Nähe. Auch Jerusalem, welches wir noch relativ oft besuchen ist mittlerweile ein eher radikaler Teil von Eretz Israel geworden. Viele eher säkuläre Israelis wollen in dieser Stadt voller Spannung nicht mehr leben, da ihnen die Situation zu „anstrengend“ geworden ist. Daher ist es für uns immer wieder eine Bereicherung auch mit Leuten in Kontakt zu kommen, die eher die Mitte der israelischen Gesellschaft repräsentieren, wenn man das bei all den vorhandenen Strömungen, Richtungen und politischen Positionen sagen kann.
Bei einem Seminar für deutsche Volontäre in „Israel“, von welchen es sehr viele gibt, waren auch mehrere Israelis für die gesamte Dauer des Seminars anwesend wodurch viele Diskussionen und Situationen durch eine Meinung aus erster Hand aufgefrischt wurden. Was ich auch schon bei meiner Israelreise festgestellt hatte wurde hier wieder bestätigt – die israelische Gesellschaft lässt sich nur sehr schwer vereinfachen, denn man hat gerade hier ein Meinungsspektrum, welches wohl mit kaum einem anderen Land zu vergleichen ist, denn auch wenn es politische Minderheiten gibt, drückt sich keine Meinung in einer klaren Mehrheit aus – so zumindest mein Eindruck. Von fundamentalistisch-religiösen Juden über eine säkuläre „Mitte“ bis hin zu extrem Linken, wie man sie hier bezeichnet (was weitgehend nichts mit der deutschen Definition zu tun hat), die sich solidarisch mit den Menschen in Palästina stellen findet man hier alles. Gerade diese innere Polarisierung im allgemeinen Meinungsbild und dazu große Minderheiten an russischen Einwanderern, die sich kaum noch mit dem Judentum identifizieren und arabischen Israelis, die meist parallel zur jüdischen Bevölkerung leben ergibt sich eine Gesellschaftsstruktur, die keineswegs eine einheitliche Meinung zu den meisten Themen des israelisch-palästinensischen Konfliktes hat.
Ein Besuch bei der israelischen Militärradiostation Galey Tzahal, welches einer der meisteghörten Radiosender in Israel ist, zeigte uns, dass auch innerhalb des Militärs kein Obrigkeitsgehorsam herrscht, der alles was das Militär tut gutheisst, denn unsere zwei Guides waren nach einer Zeit eher in eine Diskussion verstrickt über politische Themen als wir noch daran beteiligt waren, was im Grunde sehr interessant war – denn gerade ich habe oft das Gefühl in uniformierten Soldaten eher jemand zu sehen, der überhaupt keine Ahnung hat was er da macht sondern einfach nur blind seinen Befehlen nachgeht. Diese zwei Argumentierenden in Uniform zu sehen war ein gutes Gefühl. Die Armee hat schon immer auch eine bildende und integrierende Funktion in Israel gehabt.
Ich frage mich nur, wie jemand, der solche Erfahrungen nie gemacht hat einen israelischen Soldaten als mehr als nur den Besatzer sehen kann...

http://en.wikipedia.org/wiki/Israel_Army_Radio

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