Kinder
Heute stand mal wieder ein Ausflug an unserem freien Tag an. Schon vor einem Monat wollten wir Nablus besuchen, was aber aufgrund meines fehlenden Visas nicht geklappt hat.Heute jedoch lief fast alles reibungslos.
Zwei interessante Erlebnisse möchte ich teilen und beide male geht es um Kinder - einmal palästinensische und einmal jüdisch israelische...
Unser Programm von Nablus began mit Jakobus Quelle - einem eher auf Pilger ausgelegten und für uns daher langweiligen Ort, gefolgt vom Grab des Jakobs, wenn ich mich recht erinnere. Mitten in Nablus gelegen befand sich dort bis zum Ausbruch der zweiten Intifada eine Yeshiva, eine jüdische Gebetsschule. Diese geriet mit dem Ausbruch der zweiten Intifada unter Beschuss palästinensischer Kämpfer woraufhin die Siedler das Gebiet verließen und bis heute nicht mehr dauerhaft zurückkamen. Im Anschluss an den Abzug wurde die Yeshiva aus Freude und Wut niedergebrannt und in diesem Zustand verharrt die historische Stätte bis heute. Diese Station unserer Tour fiel mitten in die Mittagszeit und hunderte von Kindern strömten auf ihrem Heimweg an uns vorbei. Natürlich zieht eine solche Gruppe von Ausländern unheimliches Interesse auf sich und sehr schnell waren wir umringt von Kindern, welche alle ihr " How are you?" oder "whats your name?" brüllten.
Auch wenn ich schon eine Weile hier bin und mittlerweile in den meisten Situationen ohne Probleme zurecht komme gibt es eine Sache, welche ich nicht verstehen kann und für welches ich keine richtige Lösung habe... wenn kleine Kinder anfangen Steine zu schmeißen.
Die Situation hatte schon etwas bedrohliches. Auf der anderen Seite aber auch einen etwas paradoxen Hauch in einer Situation zu sein, die so unreal wirkt.
Die meisten Kinder lachten, schrien und wollten einfach unser Interesse gewinnen. Posierten für Bilder und ohne Unterlass kam noch immer das „how are you“. Und plötzlich kamen Steine. Keine Großen – aber denoch bedrohlich.
Was geht im Kopf eines Kindes vor, das mit einem freundlichen Grinsen im Gesicht einen Stein auf Fremde schmeißt?
Die zweite Begegnung trug sich erst später am Abend zu.
Von Nablus ging es nach einigen Problemen am Checkpoint, mit unserem Bus zuerst zurück nach Ramallah und von dort aus mit einem „Service-Taxi“ (fährt auf festgelegten Strecken zu festgelegten Preisen) nach Bethlehem.
Die großen Verbindungsstraßen zwischen den palästinensischen Städten werden von Israelis und Palästinensern gemeinsam genutzt, da sie auch die großen Siedlungen miteinander verbinden (wozu sie wohl eigentlich da sind).
So saß ich in meinem Taxi und blickte nach einem ereignisreichen Tag in die mich umgebende Wüste.
Nach einiger Zeit fuhr das Auto einer Siedlerin vor uns, mit ihren zwei Kindern auf der hinteren Sitzbank. Unablässig starrten sie durch die Frontscheibe unseres Minibusses.
Ich überlegte, was diese Kinder wohl so fasziniert – fand sie im Grunde aber recht süß und dachte mir nichts dabei.
Als die Fahrbahn zweispurig wurde und wir beim Überholen kurz neben dem Auto fuhren kam von diesen Kindern eine Geste, wie ich sie absolut nicht erwartet hätte.
Mit langgestreckten Hälsen imitierten sie mithilfe ihrer Hände einen Kehlenschnitt und zeigten dann auf uns im Taxi Sitzende. Um mich herum zeigte keiner eine Reaktion und kein Wort wurde gesprochen – doch ich konnte kaum glauben was ich dort gerade gesehen hatte.
Bild: am Josephsgrab
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