Terrorismus
Heute ist wieder ein Anschlag in Jerusalem passiert. Zum zweiten mal ist ein palästinensischer Straßenarbeiter mit einem Bulldozer in einen Bus und mehrere Autos gefahren. Diese Attacke ist glimpflicher verlaufen als erstere - grob gesprochen, niemand ist gestorben, was aber die Tat an sich nicht relativiert. Auch Raketen, die ihr Ziel zufällig nicht treffen sind in keinster Weise zu relativieren, aber denoch habe ich mir in den letzten Monaten viele Gedanken über das Wort Terrorismus an sich gemacht. Im israelisch-palästinensischen Konflikt und überhaupt weltweit wird das Wort Terrorist und Terrorangriff in fast jedem Zusammenhang verwendet und auch wenn es für meinen pazifistisch geprägten Verstand schwer war zu dieser Überlegung zu gelangen, bin ich doch soweit zu sagen, dass vielen dieser Angreifer unrecht getan wird. Menschenleben sollten nie mit Gewalt genommen werden, davon rücke ich nicht ab, aber der Tatbestand -Terroristischer Angriff- ist nicht immer gegeben, denke ich.
Mir hat vor einigen Tagen ein Bekannter von einem Palästinenser erzählt, der Schüler in Talithas Hotelfachschule war und sich während der Intifada als -Kämpfer- herausstellte. Aus israelischer und vielleicht internationaler Sicht gesehen würde kaum jemand das Wort -Wiederstandskämpfer- in solch einem Zusammenhang mehr wählen, denn dieser Talithaschäler ist eines Tages mit einem Gewehr bewaffnet zum nahegelgenen israelischen Militärstützpunkt gegangen und hat auf diesen zu schießen. Infolge des Schusswechsels wurde er leicht verletzt, ging zu Boden und dann durch einen Kopfschuss aus naher Distanz getötet. Bei seiner Beerdigung waren auch viele Lehrer der Schule und Schüler anwesend und es wurden Reden gehalten. Ist dieser Mann jetzt ein Terrorist. Ein besetztes Land kann für seine Freiheit kämpfen und so sehen es hier auch viele Menschen. Beit Jala ist das letzte Dorf im Westjordanland aus welchem ein Kämpfer oder Terrorist entsprungen ist und dennoch wurde dieser Angriff offensichtlich gutgeheißen.
Dieser Unterschied in der Definition, zwischen einem Terroristen und einem Wiederstandskämpfer ist in der allgemeinen Debate längst untergegangen. Der Irak als auch Palästina scheinen voll mit Terroristen zu sein. Nur leider sehen diese sich nicht als solche, sondern als Kämpfer für die Unabhängigkeit ihres Landes - ebenso wie die Palmach vor der Entstehung des israelischen Staates als Paramilitïärische Kräfte gegen das Englische Protektorat kämpften. Heute werden diese glorifiziert - für die Engländer waren es vielleicht mal Terroristen. Der Attentäter des -ersten Bulldozer-Angriffes - in Jerusalem mag vielleicht als Terrorist angesehen werden, vielleicht auch laut meiner Definition, dass er aber Probleme mit Drogen hatte und eine jüdische Freundin wird nur im Nebensatz erwähnt. An erster Stelle steht, dass er Juden tötete und so entsteht schnell das Bild, dass dies seine Motivation war. Vielleicht war er auch nur ein Geisteskranker mit einem Haufen an Problemen. Danach fragt im Nachhinein niemand mehr, sondern man geht schnell dazu über die Leute in seinem Umfeld für seine Tat zu bestrafen (indem man sein Haus einreißt, da es ohne Baugenehmigung gebaut wurde, wie viele weitere Häuser in Ostjerusalem, was aber ein anderes Thema ist)
Heute am Ort des Angriffes vorbeizugehen, umgedrehte Autos, einen beschädigten Bus, der wohl voller Menschen war und hunderte Polizisten und Krankenwägen zu sehen war jedoch ein sehr bewegendes Bild und als ich mich vom Ort des Angriffs abwendete stieg nur Ekel und Abschaum in mir auf und es schüttelte mich - zu generalisieren fällt bei einem solchen Bild nicht schwer.
Die Orthodoxen Juden, die Ehud Baraks und George Buschs, die sie sich wohl fälschlicherweise zu sehr für den Frieden einsetzen (??), Bilder zerrissen relativierten das Bild dann wieder ein bisschen... sie fordern im Allgemeinen einen härteren Umgang mit Arabern.
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